Der Chillventa-Länderbericht: RUSSLAND

  • Kältetechnik: fest in ausländischer Hand
  • Klimatechnik: von der Luxusware zum Konsumgut
  • Kältemittel: fluoriert dominiert
  • Ausblick: Potenzial trotz Krise

Russland wird oft als der Wachstumsmarkt für die Kälte- und Klimatechnik beschrieben. Im Bereich der Kältetechnik gilt dies insbesondere für importierende Komponentenhersteller aus Europa, in der Klimatechnik für Geräteimporte aus Asien, aber auch aus Europa und den USA. Für die inländischen Produzenten hingegen ist das Wachstum eher rückläufig.

Kältetechnik: fest in ausländischer Hand
Genaue und vor allem aktuelle Zahlen über den Markt für Kältetechnik in Russland stehen derzeit kaum zur Verfügung – und wenn, dann stimmen sie nicht unbedingt miteinander überein. Dennoch lassen sich daraus einige klare Tendenzen ablesen, über die sich die Fachleute grundsätzlich einig sind. Auch wenn der Markt für Kältetechnik in Russland bezogen auf die Anzahl der installierten Anlagen neben der Haushaltskälte von der Gewerbekälte dominiert wird, wurde das höchste Umsatzwachstum in den vergangenen Jahren im Bereich der Industriekälte bzw. bei Anlagen über 100 kW Kälteleistung erzielt. Dies ist auf zwei Hauptfaktoren zurückzuführen: Zum einen ist die russische Lebensmittelindustrie mit der zunehmenden Kaufkraft in Russland stark gewachsen und mit ihr auch der Bedarf an Kältetechnik.

Zum anderen sind die meisten der installierten Kälteanlagen im Bereich der Industriekälte inzwischen überholt und müssen modernisiert oder aber ersetzt werden. Auch in Bezug auf die Marktstruktur stimmen sämtliche Marktanalysen darin überein, dass die inländischen Hersteller zunehmend Marktanteile an Hersteller aus dem Ausland, insbesondere Europa, verlieren. So geht Professor Baranenko von der Universität St. Petersburg davon aus, dass nur 10 % der in Russland installierten Kältetechnik aus Komponenten inländischer Hersteller zusammengebaut wurde – eine Analyse, die mit der der deutschen AHK übereinstimmt, die von einem Rückgang des Marktanteils russischer Produzenten von 34 auf 17 % in 2006 berichtet und einen weiteren Rückgang auf 10 % in 2010 erwartet. Als Gründe für diesen Rückgang werden mangelnde Qualität und Service, aber auch der hohe Preisdruck von außen genannt, mit dem nationale Produzenten häufig nicht mithalten können. Parallel zum Rückgang der inländischen Marktanteile nahm der Anteil der Importe in den vergangenen Jahren erheblich zu und erzielte, laut einer Erhebung der AHK bereits in 2006 ein Wachstum von 48 % im Vergleich zum Vorjahr.

Klimatechnik: von der Luxusware zum Konsumgut
Auch der russische Klimamarkt wird von Importen dominiert, in 2002 einer Studie der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) zufolge zu rund 97 %, wobei Experten damals davon ausgingen, dass die lokale Verarbeitung eine zunehmend wichtige Rolle spielen wird. Dies hat sich inzwischen bewahrheitet. Marktanalysten nennen grundsätzlich vier Hauptsegmente: zuverlässige, prestigeträchtige Produkte aus Japan und Europa, Technik hoher Güte mit etwas schwächerem Image ebenfalls vor allem aus Japan und Europa, Geräte relativ stabiler Qualität vor allem aus Südkorea und anspruchslosere Billigerzeugnisse vor allem aus China und Russland. Was die Gerätetypen anbelangt, so stellten in 2007 Splitsysteme für Wohnraumklima die große Mehrheit dar, gefolgt von Fenstergeräten. Multi-Split Systeme und größere gewerbliche Anlagen scheinen bislang noch in der Minderheit zu sein, während Invertergeräte aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Energieeffizienz ebenfalls zulegen. Insgesamt wurde der Markt in 2007 auf rund 1,5 Millionen Einheiten geschätzt bei kontinuierlichem Wachstum, was in erster Linie auf die verstärkte Bautätigkeit in den vergangenen Jahren und die gestiegene Kaufkraft der Bevölkerung zurückzuführen ist.

Kältemittel: fluoriert dominiert
Verschiedenen Erhebungen zufolge nehmen fluorierte Kältemittel derzeit den wichtigsten Platz im russischen Markt für Kälte- und Klimatechnik ein. Dabei schwanken die Angaben zwischen 70 % bis hin zu 90 %. In jedem Fall kann also davon ausgegangen werden, dass gut drei Viertel aller Anlagen mit synthetischen Kältemitteln laufen – und viele davon, in Anbetracht des überalterten Maschinenparks, mit Sicherheit mit dem HFCKW R-22. Der Rest der Anlagen wird vor allem mit Ammoniak betrieben und ein verschwindend geringer Anteil mit CO2.

Ausblick: Potenzial trotz Krise
Die Weltwirtschaftskrise dürfte auch am russischen Markt für Kälte- und Klimatechnik nicht spurlos vorübergehen. Besonders der Klimamarkt wird mit Sicherheit reagieren, da insbesondere der Bereich Wohnraumklima, der in direktem Zusammenhang mit dem Konsumverhalten der Verbraucher steht, von starkem Wachstum geprägt war. Auch die gesunkene Kaufkraft und der Rückgang der Bautätigkeit werden sich auf den Klimamarkt auswirken. Etwas besser dürfte es in der Kältetechnik aussehen, denn Anlagen, die aus Altersgründen kurz vor dem Zusammenbruch stehen, müssen in jedem Fall modernisiert bzw. ersetzt werden. Hier besteht ein klares Potenzial für in- und ausländische Hersteller. Auch der Trend hin zu mehr Energieeffizienz dürfte sich trotz Krise positiv auf den Markt auswirken, besonders bei Anwendungen wie zum Beispiel in Supermärkten, in denen die Kälte- und Klimatechnik einen hohen Kostenfaktor darstellt.

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