Der Chillventa-Länderbericht: ITALIEN
- Italien: Land der Klimatechnik
- Großhandel „all’italiana”
- Handwerk und Gesetzgebung
- Wärmepumpen im Kommen
Der Kälte- und Klimamarkt in Italien verzeichnet starke Umsatzsteigerungen. 2007 wurden im Vergleich zum Vorjahr 13,4 % mehr Geräte verkauft und 22,2% mehr Umsatz erzielt. Eine regionale Besonderheit des italienischen Marktes liegt darin, dass der Handel mit Kälte- und Klimatechnik auf viele regionale Zwischenhändler verteilt ist. Auch die Repräsentation in Verbänden geschieht durch eine Vielzahl kleinerer Organisationen, ein dominierender Dachverband existiert nicht. Für größeren Aufruhr sorgten 2006 das auf einer EU-Verordnung basierende Dekret Nr. 147 und das nun vorgeschriebene „Libretto d´impianto“ (Anlagen-Logbuch). Bis dahin war das Führen von Logbüchern ausschließlich in größeren Anlagen üblich. Viele Betreiber kleinerer Anlagen mussten sich somit auf neue Bedingungen einstellen.
Italien: Land der Klimatechnik
Im März veröffentlichte der italienische Verband der Hersteller von Klima- und Lüftungsgeräten Co.AER (Associazione construttori di apparecchiature ed impianti aeraulici) seine aktuelle Statistik zum Jahr 2007. An der Befragung nahmen insgesamt 62 Unternehmen teil, die je nach Produktgruppe zwischen 50 und 95% des italienischen Marktes repräsentieren.
Grundsätzlich fiel das Jahr 2007 positiv für die italienische Lufttechnik aus. So wurden im Vergleich zu 2006 13,4% mehr Geräte verkauft und 22,2% mehr Umsatz erzielt. Die Produktionszahlen der inländischen Unternehmen gingen insgesamt zwar um 1,4% zurück, aber der Umsatz stieg auch hier um 13,4% an. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Produktkategorien, insbesondere zwischen Split- und Multisplitgeräten und Chillern.
Die Statistiken spiegeln die Struktur der italienischen Kälte- und Klimaindustrie wider. So werden Mono- und Multisplitgeräte überwiegend importiert, während Chiller aller Leistungsklassen weitgehend im eigenen Land produziert werden. Die Importe erfolgen überwiegend aus Asien (58%), gefolgt von Europa mit 39%. Die heimische Chillerproduktion ist vor allem im Norden und Nordosten Italiens konzentriert.
An der Befragung zu Split- und Multisplitgeräten nahmen insgesamt 44 Unternehmen teil. Dies entspricht über 90% des italienischen Marktes. Im Bereich der Monosplitgeräte wurde fast der gesamte Bedarf über Importe abgedeckt. Seit dem explosionsartigen Anstieg der Importe in 2004, der auf die Hitzewelle in 2003 zurückzuführen war, ist der Markt durch ein gesundes Wachstum gekennzeichnet, das in 2007 bei rund 16% (auf den Umsatz bezogen) im Vergleich zum Vorjahr lag. Ähnlich fällt die Entwicklung bei den Multisplitgeräten aus. Auch hier wird ein Großteil der in Italien verkauften Ware importiert, wobei das Wachstum in 2007 mit über 30% noch wesentlich höher lag als bei den Monosplits. Dabei ist ein Großteil der importierten Geräte für den italienischen Markt bestimmt. In Bezug auf die Gesamtanzahl der importierten Splits von rund 1,9 Millionen sind gut die Hälfte mit Inverter ausgestattet und bei fast allen handelt es sich um reversible Geräte zum Heizen und Kühlen. Für 2008 werden ähnliche Ergebnisse wie in 2007 erwartet, wobei die Verkaufszahlen in klarem Zusammenhang mit dem Wetter und den Temperaturen im Sommer stehen.
Anders sieht das Bild bei Chillern aus, die vorwiegend in Italien produziert werden. Auch hier sind die Ergebnisse repräsentativ für den italienischen Markt mit einer Beteiligung von 33 Unternehmen für luftgekühlte Chiller und 22 Unternehmen für wassergekühlte Chiller. Im Bereich der luftgekühlten Geräte blieb die inländische Produktion weitgehend unverändert mit einem deutlichen Anstieg bei den Leistungsklassen über 350 kW. Hier nahm auch der Export, neben den Leistungsklassen zwischen 101 und 350 kW, am stärksten zu. Wassergekühlte Chiller in den Leistungsklassen bis 100 kW stammen ebenfalls vorwiegend aus Italien, während bei Leistungen über 100 kW eine deutliche Zunahme des Imports verzeichnet wurde. Aber auch der Export der in Italien produzierten Geräte nahm kräftig zu, ganz besonders bei Geräten über 350 kW. Hier wurde ein Wachstum von über 30% in 2007 im Vergleich zum Vorjahr erzielt.
Großhandel all’italiana
In Italien ist der Großhandel im Unterschied zu vielen anderen Ländern Europas über zahlreiche kleinere, regionale Zwischenhändler organisiert, bei denen Installateure ihre Komponenten direkt an der Theke einkaufen können. Das gilt auch für den Verkauf von Kältemitteln. Hier gibt es drei Gashändler, die den Markt weitgehend dominieren, jedoch nicht direkt an die Installateure verkaufen, sondern vielmehr an die Zwischenhändler. Für die Hersteller, sei es von Komponenten oder Gasen, bedeutet das nicht nur eine gewisse Entfernung vom Handwerk, sondern auch vom Endkunden, dem Betreiber, der in vielen Fällen nicht bekannt ist.
Handwerk und Gesetzgebung
In Italien trat am 15.02.2006 das Dekret Nr. 147 in Kraft, das auf der EU-VO 2037/2000 basiert. Wie in der Verordnung vorgesehen, zielt es auf regelmäßige Leckagenkontrolle, eine Verbesserung von Ausbildung und Kompetenz der Anlagenbauer sowie eine stärkere Einbeziehung der Betreiber ab. Für den größten Aufruhr in Italien sorgt jedoch das so genannte „Libretto d’impianto“, das Anlagen-Logbuch, das mit dem Dekret Pflicht wurde. Während größere Betriebe bereits in der Vergangenheit Logbücher führten, war dies bei kleineren Handwerksbetrieben eher die Ausnahme und wirft daher jetzt zahlreiche Fragen über Inhalt und Form auf. Verschiedene Großhändler sehen darin eine Chance, ihren Umsatz zu steigern und bieten fertig gedruckte Logbücher an, die der Anlagenbauer nur noch ausfüllen muss.
Grundsätzlich ist Italiens Kälteanlagenbauerhandwerk weniger gut organisiert als in anderen europäischen Ländern. So gibt es keinen offiziell anerkannten, national agierenden Verband, der die Interessen der Branche vertritt, sondern verschiedene Organisationen, davon zahlreiche auf regionaler Ebene. Die größten dürften dabei Assofreddo (www.assofreddo.org), Assofrigoristi (www.assofrigoristi.it) und Associazione Tecnici del Freddo (www.associazioneatf.org) sein, doch auch hier ist nur ein Bruchteil der italienischen Handwerksbetriebe vertreten. Dies erschwert in gewisser Weise auch die Umsetzung der Gesetzgebung, denn die Informationsvermittlung ist durch diese Situation schwieriger und langwieriger. Auch die Ausbildung zum Kälteanlagenbauer ist in Italien nicht klar definiert. Es gibt verschiedene Schulen, in denen entsprechende Aus- und Weiterbildungen angeboten werden, wie zum Beispiel das Centro Studi Galileo in der Nähe von Mailand, aber diese sind bei weitem nicht ausreichend für Bedarf und Nachfrage. Auch hier wird daher die Umsetzung der EU-VO 2037/2000 und 842/2006 erschwert.
Wärmepumpen im Kommen
Grundsätzlich ist Italien zu 84% abhängig von Energieimporten, allein 50% davon kommen aus Frankreich. Klimatisierung spielt eine zunehmend wichtige Rolle, sei es bei Privathaushalten oder im gewerblichen Bereich. Damit steigt auch der Stromverbrauch. Wärmepumpen gelten daher als viel versprechende Lösung, da sie in Anbetracht des in Italien vorherrschenden mediterranen Klimas sowohl für Heizung als auch für Kühlung eingesetzt werden können. Aus diesem Grund wurde jetzt im Rahmen der Co.AER ein neuer Verband gegründet, die Italian Heat Pumps Association, der die Interessen der Branche vertritt, Forschungsvorhaben und Weiterentwicklungen vorantreibt und außerdem Mitglied der European Heat Pump Association (EHPA) ist.
Auch von Seiten der italienischen Regierung werden die Wärmepumpen gefördert. So gilt seit dem 24.12.2007 das Gesetz Nr. 244 für Hocheffizienz-Wärmepumpen, im Rahmen dessen 55% der Ausgaben direkt von der Steuer abgezogen werden dürfen. Dazu zählen auch Kosten, die mit dem Ersatz von bestehenden Anlagen durch hocheffiziente Wärmepumpen einhergehen.
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