Der Chillventa-Länderbericht: FRANKREICH
- Neues Regierungs-Dekret beschäftigt die Branche
- Großer Altbestand an HFCKW-haltigen Kältemitteln
- Rekordboom im Wohnraum- und Wärmepumpenbereich
Der französische Kälte- und Klimamarkt brummt mit Rekordzuwächsen im Wohnraumbereich und der Wärmepumpenmarkt explodierte förmlich in 2006. Dies betrifft vor allem den Wohnraumklimamarkt, wobei es sich bei über 90 % der verkauften Geräte um reversible Lösungen zum Heizen und Kühlen handelte.
Aktuell ist die Branche jedoch vor allem mit einem neuen Regierungs-Dekret beschäftigt, das am 7. Mai 2007 in Kraft getreten ist. Die Konsequenzen des Dekrets, dessen übergeordnetes Ziel in der Reduzierung der Emissionen aus Kälte- und Klimaanlagen besteht, betreffen ganz besonders die Kälteanlagenbauer, deren Qualifikation in Zukunft wesentlich strenger überprüft wird als bislang der Fall.
Das neue Dekret 2007-737
Am 7. Mai 2007 ist das Dekret Nr. 2007-737 hinsichtlich verschiedener Kältemittel, die in kälte- und klimatechnischen Geräten eingesetzt werden, in Kraft getreten. Es definiert Vorschriften zur Verbesserung der Anlagendichtheit und nimmt Distributoren und Produzenten von Kältemitteln in die Verantwortung, was Rücknahme, Rückgewinnung, Recycling und Entsorgung von Kältemitteln anbelangt. Außerdem bezieht es den Betreiber stärker ein als bislang der Fall, da er für die regelmäßige Kontrolle und Dichtheit seiner Anlagen sowie deren Wartung durch qualifiziertes Fachpersonal verantwortlich ist.
Die größte Umwälzung betrifft allerdings die Kälteanlagenbauer. Diese müssen sich gemäß strenger, genau definierter Vorschriften durch einen eigens dafür bestellten Organismus zertifizieren lassen. Nur wer über ein solches Zertifikat verfügt, darf künftig (ab 2009 – bis dahin gilt eine Übergangsregelung) mit Kältemitteln umgehen und Eingriffe in den Kältekreislauf vornehmen.
Außerdem müssen die Anlagenbauer künftig am Anfang eines jeden Jahres genau Bericht erstatten, wie viel Kältemittel sie jeweils im Vorjahr gekauft, in Anlagen gefüllt und zurückgenommen haben. Dabei muss genau unterschieden werden, welche Mengen zur Wiederverwendung bestimmt waren und welche Mengen zur Wiederaufbereitung gegeben wurden. Für den französischen Markt bringt das neue Dekret damit grundlegende Änderungen mit sich, die die Kompetenz der Anlagenbauer stärken und Nicht-Fachleuten das Handwerk legen sollen. Übergeordnetes Ziel ist die Reduzierung der Emissionen. Wird dies nicht erreicht, so fürchtet die Branche um ein kommendes Verbot der HFKWs (Flurchlorkohlenwasserstoffe).
Kältemittelbestand und Dominanz von R-22
(Kältemittel Chlordifluormethan)
Laut einer Studie der Ecole des Mines in Paris (1), die in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird, befanden sich in 2004 noch rund 21.000 Tonnen an R-22 bzw. an HFCKW-haltigen Kältemitteln in bestehenden französischen Kälte- und Klimaanlagen. Zu den wichtigsten Anwendungen zählten die Industriekälte mit 26 %, der Transportklimabereich mit 20 %, Chiller mit 18 % und die Gewerbekälte mit 14 %. Im Vergleich dazu lag der HFKW Bestand bei rund 23.000 Tonnen, wobei hier fast die Hälfte (43 %) auf den PKW-Klimabereich entfiel, gefolgt von Gewerbe- und Industriekälte mit jeweils 12 % und Chillern mit 11 %.
Die Gesamtemissionen aus bestehenden Anlagen liegen im Falle von R-22 mit 3.201 Tonnen bei 43,4 %, was besonders auf das hohe Durchschnittsalter der Anlagen zurückzuführen ist. Anbetracht des hohen R-22 Bestands und der damit verbundenen Emissionen geht die Studie davon aus, dass ab dem Verbot von R-22 Frischware ab dem 1. Januar 2010 akute Engpässe an R-22 für Wartungszwecke sowie an qualifizierten Arbeitskräften für eventuelle Umrüstungen zu erwarten sind. Dem kann nur entgegengewirkt werden, wenn einerseits ab sofort Umstellungen auf R-22-Alternativen vorgenommen werden und andererseits sichergestellt wird, dass qualifiziertes Fachpersonal für eine effiziente Rücknahme des Kältemittels aus bestehenden Anlagen sorgt und Emissionen nachhaltig reduziert werden.
Aufschwung für die Klimabranche (2)
Der französische Klimamarkt für Split- und Multisplitgeräte unter 17,5 kW Leistung konnte im Jahr 2006 ein Rekordwachstum verzeichnen mit einer Zunahme von rund 33 %, d. h. 403.255 verkauften Außeneinheiten im Vergleich zu 2005. Dies betrifft vor allem den Wohnraumklimamarkt, wobei es sich bei über 90 % der verkauften Geräte um reversible Lösungen zum Heizen und Kühlen handelte. Ebenfalls auf dem Vormarsch (+74 %) sind Geräte mit Inverter, die sich auch bei niedrigen Außentemperaturen als besonders leistungsfähig im Heizbetrieb erweisen. Die hohe Nachfrage im Wohnraumklimabereich ist unter anderem auf den Aufschwung der erneuerbaren Energien und den damit verbundenen Steuernachlass zurückzuführen. Zumindest in 2006 galt dieser neben Sole/Wasser, Wasser/Wasser und Luft/Wasser Wärmpumpen auch für Luft/Luft Wärmepumpen.
Durch den Einsatz reversibler Geräte für Heizung und Kühlung konnte in 2006 auch in den Monaten von September bis Dezember, die bislang immer relativ schwach ausfielen, ein erfreuliches Ergebnis erzielt werden. Wurden bislang in diesem Zeitraum nur rund 24 % des jährlichen Gesamtumsatzes erzielt, so lag der Anteil in 2006 bei rund 30 %. Auch die Ergebnisse im größeren Leistungsbereich von über 17,5 kW zur gewerblichen Nutzung fielen in 2006 positiv aus. Auch hier schnitten Splits und Multisplits mit einem Wachstum von 88 % gegenüber 2005 hervorragend ab. Aber auch die VRF-Technologie ist zunehmend gefragt und konnte ein Wachstum von 33 % verzeichnen. Besonders beeindruckend fiel das Ergebnis auch im Bereich der Kaltwassersätze aus. Hier wurde im Leistungsbereich unter 17 kW mit 18.289 verkauften Einheiten ein Wachstum von 159 % im Vergleich zu 2005 erzielt. Dies betrifft die reversiblen Wärmepumpen im Wohnraumbereich verbunden mit Fußbodenheizung und staatlich gefördert durch einen Steuernachlass.
Wärmepumpenmarkt verzeichnet stolzes Wachstum
Der französische Wärmepumpenmarkt verzeichnete in 2006 ein Wachstum von 112,4 %, d. h. insgesamt rund 53.500 Geräte. Die Erhebung stammt vom französischen Wärmepumpenverband AFPAC (3), Luft/Luft Geräte sind ausgenommen. Das höchste Wachstum haben mit 192 % die Luft/Wasser Geräte erzielt, von denen 35.050 im Jahr 2006 verkauft wurden. Das sind über 23.000 mehr als noch im Vorjahr. Man darf davon ausgehen, dass besonders dieses Segment auch in Zukunft schnell weiter wächst, was insbesondere an den geringeren Investitionskosten im Vergleich zur Erdwärmenutzung bei gutem Wirkungsgrad liegt. Außerdem kündigen die Hersteller Geräte an, die zur Warmwasserbereitung bis zu 65°C eingesetzt werden können. Diese Wärmepumpen zielen ganz besonders auf den Einsatz in bestehenden Gebäuden ab, in denen sie Gas- oder Ölbrennkessel ersetzen können.
Laut AFPAC Schätzungen ist Frankreich nach Schweden nunmehr Europas zweitgrößter Markt für Wärmepumpen mit 53.500 Maschinen und hat damit Deutschland (43.8864 (4)) und die Schweiz (15.8095 (5)) überholt. In der Schweiz sind inzwischen die Luft/Wasser Geräte mit 54,9 % im Vergleich zur Geothermie mit 43,2 % führend. In Deutschland hingegen liegt die Geothermie mit fast zwei Dritteln der verkauften Geräte im Vergleich zu einem Drittel Luft/Wasser Wärmepumpen noch klar vorn. Auch in Schweden wird bevorzugt das Erdreich als Wärmquelle genutzt. Dies liegt in erster Linie an den kalten Wintern.
Die französische Branche ist allerdings gespalten, was reversible Luft/Luft Geräte anbelangt. Zunächst hieß es, auch für diese Technologie treffe der Steuernachlass von damals 40 % in gleicher Weise wie für alle anderen Wärmepumpentechnologien zu. Dann wurden diese jedoch Anfang des Jahres 2005 explizit von der Regelung ausgeschlossen und erst nach langem, erbittertem Kampf durch den Kälteverband Snefcca Ende 2005 wieder aufgenommen. Allerdings gingen mit dieser Aufnahme zahlreiche Sonderbedingungen wie z. B. regelmäßige Inspektionen der Geräte einher, die für die anderen Wärmepumpentypen nicht galten. Jetzt wurde im Sommer 2007 ein weiterer Bescheid der Regierung veröffentlicht, demzufolge die Beschränkungen für den Steuernachlass, der inzwischen sogar 50 % beträgt, sogar noch weiter ausgedehnt wurden. Bislang konnte der Streit noch nicht abschließend geklärt werden.

(1) Marché ADEME 06 74 C0060, Ref. Armines 60588. Stéphanie Barrault, Lionel Palandre, Sabine Saba, Denis Clodic, December 2006 : Inventaires des fluides frigorigènes et de leurs émissions, France – Année 2004.
(2) Quelle: ClimPratique 04/2007
(3) Quelle: Association Française des Pompes à Chaleur, www.afpac.org
(4) Quelle: Bundesverband Wärmepumpe e.V., www.waermepumpe-bwp.de
(5) Quelle: Fördergemeinschaft Wärmepumpen Schweiz, www.fws.ch
Ansprechpartner für Presse und Medien:
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